“Das Internet ist schuld!”
März 18, 2009 in Allgemein
Langsam nervt mich das Gerede von den Fehlern auf Twitter, StudiVZ usw. Also gibt es jetzt einmal ein paar Worte zu den Winnenden-Berichterstattungs-Prügelknaben der Presse wie Twitter, StudiVZ und co:
In vielen Artikeln, die ich bisher gelesen habe, sind Plattformen wie Twitter, Facebook und co. schuld daran, dass die hiesigen Pressevertreter keine vernünftige Informationen über die Tat, den Täter und die Opfer in Winnenden erhalten oder Fehlinformationen aufgesessen sind.
Allerdings muss man sich eins vor Augen halten: Bisherige Instrumente der Recherche, an denen sich unsere Journalisten bisher bedient haben, sind ja nicht weg. Sie sind weiterhin vorhanden. Allerdings gibt es mittlerweile zusätzliche, Quellen wie Twitter und Co., in denen von jeder der sich dort anmeldet und vernetzt, schreiben kann was er will. Das auch noch anonym.
Man ändert einen Wikipedia-Artikel zu einem aktuellen Thema ab und morgen steht der eigene Inhalt in den Zeitungen. “Wow” wird sich der ein oder andere denken und schon den nächsten Artikel in Wikipedia abändern, um sich morgen seine persönlichen fünf Minuten Ruhm abzuholen.
Journalisten, die sich auf solche Informationsstrukturen als Informationsquellen verlassen, haben eines nicht verstanden: Bestimmte Angebote im Internet und der User-Generated-Content funktionieren nach bestimmten Prinzipien. Auf Twitter kann jeder schreiben was er will, Wikipedia lebt von der gegenseitigen Ergänzung und Kontrolle der Einträge und mittels Blogs hat mittlerweile jeder die Möglichkeit sich und sein Leben ausführlich darzustellen, so wie er es gerade für nötig hält…
Das solche Quellen nicht unbedingt Fehlerfrei sind und Journalisten immer wieder darauf reinfallen hat schlicht und einfach einen Grund: Das Medium Internet wird nicht richtig verstanden und die schnelle Information und der Wettbewerbsdruck untereinander sind in dem Moment der Informationsbeschaffung wichtiger als der gründlich recherchierte Artikel. Quellen wie Twitter und SchülerVZ werden viel zu ernst genommen und dienen der schnellen und billigen Recherche vieler Journalisten.
Dass es Menschen mit Profilierungsbedürfnis ohne Skrupel vor Lügen gibt, sollte eigentlich jedem klar sein. Dass dies Anonym dann viel leichter ist, Mist zu verbreiten, als im realen Leben, ist auch nicht allzu schwer verständlich.
Dass sich Journalisten auf diese Instrumente als verlässliche Quelle berufen ist allerdings schon schwer zu verstehen.
Noch viel weniger verstehen kann ich dann allerdings die Hetze von Journalisten gegen sozialen Plattformen wie Twitter, StudiVZ und co. Denn wer billige Werkzeuge kauft, darf sich nicht darüber beschweren, dass sie nichts taugen. Das sollte jeder wissen, der tagtäglich mit diesen Werkzeugen arbeitet.
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